AFES – Aktiv für eine nachhaltige Entwicklung in Malawi

Silvia Hesse Allgemein

AFES – ACTION FOR ENVIRONMENTAL FOR SUSTAINABILITY ist eine engagierte malawischen Umweltorganisation, die 2007 in Malawi gegründet und als malawische NGO registriert wurde. AFES ist hauptsächlich in ländlichen Gebieten aktiv und behandelt als Schwerpunktthemen Armutsbewältigung und Umweltschutz. Der Hauptsitz befindet sich in Blantyre-Khamesa, am Rande der Stadt. Zu ihren Arbeitsbereichen gehören die Anpassung an den Klimawandel, Hygiene, Einkommensgenerierung und das Management von natürlichen Ressourcen und der Biodiversität. Das Team besteht aus vier Mitgliedern, neun weiteren Angestellten und sechs wechselnden internationalen Freiwilligen. Wichtige Partner sind die US-amerikanische Botschaft, der Global Nature Fund und die Ingenieure ohne Grenzen der California University.

Aktuell arbeitet AFES mit Kaffeebauern und für indigene Waldbestände in Chitipa (Nordmalawi), sowie einem Gewächshausprojekt in Makanjira (Ostmalawi). Der Schwerpunkt von Projekten im Umland Blantyres liegt bei solarbetriebenen Pumpen zur Feldbewässerung sowie bei der Vermarktung von conservation agriculture durch widerstandsfähiges Saatgut. Dazu erwähnte Daniel, dass die Landesregierung eigene Saatgutproduktion für Gemüse- und Maisarten gezielt fördert. Für die Verbreitung neuer Anbautechniken und Saatgut gibt es in Malawi ein Lead Farmer System, bei dem ein Champion Farmer das Wissen oder die neuen Materialien an Andere weitergibt.

Die NGO erstellt zusammen mit den Akteuren vor Ort zudem Klimaanpassungspläne, die etwa vorschreiben, welche indigenen Baumarten gut geeignet sind, um an Flussläufen gepflanzt zu werden. Hilfreich sind dabei bereits geschaffene Gemeindesatzungen, die etwa das Fällen von Bäumen reguliert.

Projekte bei AFES durchlaufen einen Prozess, der alle Akteure, wie Partner, Zielgemeinden, die Regierung und andere Organisationen mit einbezieht. Die Partner, die auch Finanzierungsquelle sind, kommen auf Mitglieder der Organisation zu und formulieren ihr Vorhaben für einem bestimmten Ort. Danach geht AFES auf die Akteure vor Ort zu und bewertet die Situation und deren Notlage. Da sich die Mehrzahl der Projekte im Bereich Forst und Landwirtschaft bewegen, konsultiert das Team daraufhin die Landesregierung, die ihre Mitarbeiter vor Ort zur Unterstützung mobilisieren. Anschließend wird von der Zielgruppe zusammen mit AFES ein Projektplan erstellt, der danach als Kooperationsvertrag verabschiedet und dann von der Zielgruppe umgesetzt wird.

Viele der Ratschläge für effiziente und klimaresistente Anbaumethoden wurden in das Buch „Guide for Agricultural Production“, der „malawischen Bibel“ für Landwirte, übernommen. Das Buch wird in seiner aktualisierten Fassung vom Landwirtschaftsministerium herausgegeben.

Zur Sicherung von ausreichend Nahrung sind nicht nur die Anbaumethoden, sondern auch die Essensgewohnheiten von Bedeutung. Fast vergessene indigenen Gemüsesorten, die resistenter gegen Wettereinflüsse und dabei noch gesund sind, feiern ein Comeback in regionalen Kochshows. Auch hierfür bietet die Nahrungsabteilung des Ministeriums Bücher an, die auch von AFES verbreitet werden. Zu den Sorten zählen etwa traditionelle Süßkartoffeln mit gelbem Fleisch oder zahlreiches Blattgemüse.

Die Lebensmittelzubereitung geschieht in ländlichen Gebieten Malawis fast ausschließlich über dem Feuer. Die Feuerholzgewinnung reduziert bei steigender Einwohnerzahl die Waldbestände des Landes. Als Lösungsansatz propagieren Umweltorganisationen zusammen mit AFES ein holzsparendes Feuergefäß aus Ton, das lokal produziert werden kann. Der Chizetezo Mbaula genannte „Energiesparherd“ ist händisch versetzbar und hat eine geschlossene Feuerkammer, der die Hitze nicht entweichen lässt. (Anmerkung: In einem von Bingo-geförderten Projekt des FKM und aware&fair e.V. wurde Frauen in Chingalire angelernt, entsprechende Öfen selber zu bauen)

Das AFES Team trainiert Frauengruppen für die Produktion und die Vermarktung dieser Gefäße, da in Malawi traditionell Frauen Töpferarbeiten vornehmen. Um ganz auf das Feuerholz verzichten zu können, werden auch Schulungen zur Brikett-herstellung angeboten, die unter starkem Pressen aus Sägemehl, Papiermüll und Getreidekleie entstehen. Die notwendige Metallpresse kann kostengünstig von örtlichen Schweißern gebaut werden.

2014 startete AFES in Kooperation mit der Mzuzu University ein außergewöhnliches Projekt zur Biogasherstellung. Das Forschungsvorhaben untersuchte die Möglichkeiten der Biogastechnik unter den örtlichen Voraussetzungen selbstgebauter Anlagen. Die Tests haben gezeigt, dass für eine lukrative Herstellung von Biogas nicht kleine Höfe, sondern vor allem große Geflügel- oder Rinderfarmen in Frage kommen, die ausreichend Biomaterial generieren können.

Neben der Lebensmittelsicherung konzentriert sich die Organisation auch auf die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und Bewässerungssystemen, die Krankheiten und Dürre vorbeugen. Konkret dazu zählt die Förderung für Bohrwasserpumpen und Wasserfilter sowie ein Training für dessen Instandhaltung.

Zudem werden Trainings für die Verbesserung und Reparatur von Latrinen angeboten.

In kleinen Gemeinden unterstützt AFES sogenannte Dorf-Sparkassen, bei denen sich Bewohner kleine Beträge mit wenig Zinsen leihen können. Für die ländliche Bevölkerung gibt es eine Reihe von Mikrofinanzinstitute mit gleichem Ziel. Leider stehen sie aber nicht flächendeckend zur Verfügung. Reguläre Banken leihen meist nur große Beträge mit sehr hohen Zinsen, die auch für mittelständische Unternehmer schwer zu finanzieren sind.

Der Geschäftsführer Daniel Mwakameka (AfES) stellte uns zusätzlich ein Permakultur-Projekt vor, das gemeinsam mit Frauen in Makanjira entwickelt und umgesetzt wurde. Die dort angewandten Methoden zielen darauf ab, die langfristige Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen, die Insekten- und Organismenpopulationen auszugleichen und die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung zu reduzieren. Gleichzeitig soll das Produktionsniveau beibehalten bzw. erhöht wird. Mit diesem Projekt will AfES „das Wohlergehen aller Beteiligten fördern und die gesellschaftliche und individuelle Verantwortung für die Umwelt und damit die Nachhaltigkeit fördern“.

Als wir erfahren haben, dass die NGO Action for Environmental Sustainability (AfES) auch in Makanjira aktiv ist, sind wir kurzfristig den darauffolgenden Tag nach Makanjira gefahren, um uns das Projekt vor Ort anzusehen. Die Frauen waren auf unseren Besuch nicht vorbereitet. Schüchtern und zurückhaltend stellten sie – nicht ohne Stolz – ihr Projekt vor.

Mitglieder der Frauengruppe, Schulleiter Joking Singini, Daniel Mwakameka (AfES), Silvia Hesse und Juma Wassili, (Freundeskreis Malawi und Städtepartnerschaft Hannover-Blantyre e.V.). Foto: Ralf Waselowsky, Hannover

Dieser Besuch war der Beginn einer künftigen Zusammenarbeit.