Bericht über nachhaltige und praxisnahe Projekte für eine bessere Zukunft in Blantyre und Makanjira, Malawi

Silvia Hesse Allgemein

Von Silvia Hesse und Christopher Schmidpeter, mit Fotos von Ralf Waselowsky

AUSWIRKUNGEN DER FLUTEN UND DES WIRBELSTURM IDAI 2019

Ausgangslage:

Im Frühjahr 2019 haben Überflutungen und der Wirbelsturm Idai verheerende Schäden in Mozambique und Malawi verursacht.- Häuser, Straßen und Schulen wurden zerstört. Allein in Blantyre waren 8249 Haushalte betroffen. 554 Häuser wurden zerstört und waren nicht mehr bewohnbar.

Auch die Region Mangochi, in der der Freundeskreis Malawi e.V. gemeinsam mit den Städten Hannover und Blantyre seit Jahrzehnten die Mpilimpili Schule in Makanjira unterstützt, litt unter den Folgen. Drei Brücken wurden durch die Fluten zerstört. Die Versorgung wurde unterbrochen. Der Bürgermeister von Blantyre bat um Unterstützung, um den Menschen zu helfen und aus Makanjira kamen Hilferufe. Teile der Ernte waren zerstört – Die Menschen litten unter Hunger.

Hannover reagierte. Unter Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Schostok konnten der Freundeskreis Malawi e.V. und viele Kooperationsparter*Innen einen Aufruf starten und Spenden für betroffene Menschen in Makanjira und Blantyre sammeln.

Zunächst wurden Spendengelder zum Kauf von Mais und Reis vom Freundeskreis bereitgestellt. In Absprache mit der örtlichen Polizei und dem Chief von Makanjira verteilte Juma Wasili, Koordinator des Freundeskreis Malawi e.V. die Lebensmittel an die Ärmsten und an die Schüler*Innen der Mpilimpili-Schule, um die aktuelle Not zu stillen.

Zeitgleich versorgten viele große internationale Organisationen und die deutsche Bundesregierung die notleidende Bevölkerung in Malawi. Vor diesem Hintergrund stimmte sich Silvia Hesse, Vorsitzende des Freundeskreis Malawi e.V. mit verschiedenen handelnden Organisationen in Malawi und in Deutschland ab.

Grundsätzlich ist jede Hilfe in Malawi willkommen. Sie muss jedoch sorgfältig geplant werden, damit es auch dort ankommt, wo es gebraucht wird und den Langzeitauswirkungen von Stürmen und Überschwemmungen entgegenwirkt. Schon jetzt ist bekannt, dass Umweltkatastrophen aufgrund der Klimaveränderungen immer häufiger und dynamischer auftreten werden.   

Vor diesem Hintergrund schlug Silvia Hesse vor, mit den gesammelten Spenden nachhaltige Projekte zu fördern, um die Resilienz der Bevölkerung zu stärken. D.h. gemeinsam mit ihnen Maßnahmen zu entwickeln und umsetzen, die dazu beitragen,  dass sie sich ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden,  ihre Widerstandskraft gestärkt wird  und sie befähigt,  mit Krisen, Katastrophen und den damit verbundenen Schädigungen zukünftig umzugehen.  Dieses Vorgehen fand großen Zuspruch als sie dies in dem Benefit – Konzert von Makatumbe im MusikZentrum Hannover mitteilte.

Da die Auswirkungen der Katastrophen sehr unterschiedlich ausfallen, fuhr eine kleine Delegation aus Hannover nach Malawi, um die Ausgangsbedingungen vor Ort in den Blick zu nehmen und um von vorbildlichen Projekten zu lernen. Das Kulturbüro förderte das Vorhaben. Zu den Teilnehmer*Innen gehörten:

  • Silvia Hesse, Vorsitzende des Freundeskreis Malawi e.V. Dipl. Ing. und ehemalige Leiterin des Agenda21-Büros, seit 2011 in Malawi aktiv. 
  • Christoph Schmidpeter, ehemaliger Freiwilliger in Malawi (Weltwärts Programm von Engagement Global) und Masterstudent der Leibniz Universität Hannover
  • Ralf Waselowsky, Fotograf und stellv. Leiter der WaldStation Eilenriede. Erster Besuch in Malawi 2016

Sie haben betroffene Menschen befragt, verschiedene Standorte und Situationen in Blantyre und Umgebung sowie in Makanjira besichtigt. Um erfolgreiche und nachhaltige Lösungen zu finden haben sie verschiedenen Projekte besucht und mögliche Partner nach ihren Erfahrungen befragt.  

Die drei wichtigsten Erfahrungen und Besuche werden in diesem Bericht dargestellt.  

STADTTEILRUNDGANG IN NDIRANDE, DEM AM DICHTESTEN STADTTEIL VON BLANTYRE

Nachdem wir erfahren haben, dass auch in Ndirande Häuser zerstört wurden, haben sich Ralf Waselowsky, Silvia Hesse und Christopher Schmidpeter mit der dortigen Stadträtin Gertrude Chirambo verabredet, um einen eigenen Eindruck zu gewinnen.

Ndirande ist neben Mbayani der größte informelle und am dichtesten besiedelten Stadtteil von Blantyre. Die am Fuße des Ndirandebergs gelegene Siedlung ist vor allem bei den Zugezogenen beliebt, die Wohnraum zu günstigen Mieten suchen. Der südliche Teil besteht aus zwei formell geplanten Siedlungen aus den 60er- und 70er-Jahren sowie der großen städtischen Sekundarschule. Makata ist der älteste Industriestandort der Stadt und beheimatet unter anderem Textil-, Baustoff-, -getränke und Lebensmittelherstellung. Durch beide Stadtteile fließen Bäche, die durch Bewohner und Fabriken verschmutzt werden und kurz vor dem Stadtzentrum zu einem Fluss zusammenfließen.

Teffpunkt war das Chichiri-Shoppingzentrum, das nur wenige Kilometer von ihrem Stadtteil entfernt liegt.

Erste Station ist die Brücke, die den belebten Stadtteil Chichiri mit seiner Universität und Stadium und Makata verbindet. Der darunter fließende Fluß Mudi speist sich aus dem Coronation Damm, der die städtischen Trinkwasserreserven für den Notfall bereithält. An dieser Stelle ist der Bach noch sauber und ist in eine natürlich bewachsene Böschung gebettet. Gertrude berichtete, dass bei Hochwasser keine Straßen oder Bauwerke zu Schaden gekommen sind, da das Hochwasser bisher nur bis über das angrenzende Maisfeld gestiegen ist, dass illegal auf Brachland angelegt wurde. Die Abholzung und Nutzbarmachung von Naturschutzzonen entlang von Gewässer führte jedoch immer wieder zu Erosionen, was bei Hochwasser für gefährlichen Schlamm sorgt.

Die zweite Station war das Gelände der städtischen Wasserversorgung (Lilongwe Water Board) direkt am Coronation Damm. Von hier konnte der Erddamm und die Überlauf-Rinne von Nahem gesehen werden. Direkt unterhalb des Damms war dichter Wald, der durch eine Wiederaufforstungsmaßnahme entstanden ist. An den Rändern des Stausees, wo sich einst das Forstschutzgebiet (Ndirande Forest Reserve) ausdehnte, wuchsen nur noch Büsche und hohe Gräser. Die Bewohner der nahen Wohnsiedlungen schlugen das Holz, um den hohen Bedarf an Brennmaterial zum Kochen und zur Ziegelproduktion decken zu können.

Die fehlende Vegetation führte zu starken Erosionen sowie schlechter Wasserspeicherung, was zu einem dauerhaft niedrigen Wasserpegel des Stausees führte. Früher wurde der Stausee als Naherholungsgebiet genutzt, das auch ein Bootclub betrieb und bei Anglern beliebt war.

Die dritte Station führte entlang der Straße, die die Siedlung vom ehemaligen Waldreservat trennt. Zunächst passierten wir eine Siedlung der Malawischen Wohnungsbaugesellschaft (Malawi Housing Corporation), die vor etwa 50 Jahren unter staatlicher Führung eine Siedlung für den steigenden Wohnungsbedarf der Fabrikarbeiter errichtete. Schon damals urbanisierte sich das direkt unter dem Ndirandeberg gelegene Dorf durch steigenden Zuzug.

Als der formelle in den informellen Teil Ndirandes überging endete der Asphaltbelag und auch das Verwaltungsgebiet von Gertrude. Auf der Straßenseite des ehemaligen Waldreservats fand sich all das, das in der Dichte der Häuser keinen Platz mehr fand: Fußballplätze, Müllhalden und Weideland für Ziegen.

Das ehemalige Waldreservat gehört zur städtischen Wasserversorgung und ist Wasser-Einzugsgebiet für den Coronation-Damm. Dadurch darf das Gelände nicht bebaut werden.  Die Müllberge häuften sich und waren nicht selten Kinderspielplatz und Nahrungsquelle für Ziegen in einem. Informelle, dicht besiedelte Siedlungen Blantyres haben unzureichende Müllentsorgungs-Infrastruktur. Die wenigen Abladeplätze sind zu klein und werden nicht oft genug geleert. Viele Bewohner fühlen sich dadurch von der Stadtverwaltung im Stich gelassen und haben zudem nur einen begrenzten Zugang zu Umweltbildung.

Wir hielten an der Matope Grundschule (Matope Primary School), die den Siedlungsrand an der Bergtraufe markiert. Von hier konnte über ein wiederaufgeforstetes Gebiet geblickt werden, deren junge Bäume schon bis zu drei Meter angewachsen waren. Die Schulleiterin (Headteacher) erklärte uns, dass jedes Jahr zur Regenzeit Bewohner von Ndirande mit finanzieller Unterstützung großer Betriebe Bäume pflanzen. Die Saison wird auch Baumpflanz-Saison genannt, da der Niederschlag ausreicht, um die frisch gepflanzten Triebe ohne zusätzliche Hilfe mit Wasser zu versorgen. Am Ende der etwa viermonatigen Zeit sind die jungen Bäume stark genug, um die anschließende Trockenperiode zu überstehen. Die größte Herausforderung waren jedoch Ziegen, die die jungen Knospen gerne fressen, was die Bäume schließlich absterben lässt.

Die vierte Station führte zurück zu einer Hauptstraße, die das Industriegebiet von Ndirande trennt. Hier, gegenüber einer großen malawischen Brauerei, befindet sich einer der informellen Müllabladeplätze, die Gertrude mithilfe der Anwohner aufgeräumt hat. Auf einem unbebauten Grundstück war ein kleiner Müllberg zu sehen, der noch nicht abgeräumt wurde. Sie hatte im Vorfeld die Initiative „Green Permises Competition“ initiiert und möchte Bewohner dazu anregen aufzuräumen und in der Gartenpflege aktiv zu werden. Die Gewinner erhalten dann einen Preis für die schönste Gestaltung. Als Unterstützung der Stadtverwaltung konnten an einige Haushalte Müll-Rollcontaier verteilt werden. In einigen Fällen wurden die zur Leerung an den Straßenrand gestellten Container jedoch von Dieben ausgeschüttet und geklaut. Seither werden neue Lösungen für eine gute Müllentsorgung gesucht.

Die nächste Station führte in das Industriegebiet nahe einer Zementfabrik. Der Feinstaub, der auch aus den Schornsteinen anderer Betriebe kam, beeinträchtigte spürbar die Luftqualität.

Der Aufenthalt war kurz aber informativ: Ganz in der Nähe verlaufen Bahngleise und der Mudi-Fluss, der hier stark verschmutzt wird. Der Fluss wurde illegalerweise als Abfluss von Abwasser der Sanitäranlagen, Färbereien und Brauereien benutzt. Zuletzt wurden zwei große Unternehmen mit einer Strafzahlung belegt, wodurch nun viele andere Betriebe regelkonform eigene Kläranlagen einbauen.

Wo sich bisher jedoch noch nichts bewegt hat ist die Umsiedlung von etwa 20 Familien von Dienstwohnungen, die ebenfalls im Industriegebiet liegen und der Luftverschmutzung ausgesetzt sind. Gleich neben dem Zementwerk lag dagegen eine ehemalige Sekundarschule für Mädchen, die aufgrund der zunehmenden Verschmutzung schon vor Jahren in die Siedlung versetzt wurde, zu der die nächste Station führt.

Während die vorhergehende Siedlung durch die Wohnbaugesellschaft errichtet wurde, wurden diese Wohnhäuser vor etwa 50 Jahren privat finanziert und erbaut. Als Grenze zwischen Ndirande und dem Stadtteil Nyambadwe dient der Nasolo-Bach. Am Ufer konnten wir drei weitere Initiativen von Gertrude besichtigen, die sie bereits umgesetzt hat. Auf einem unbebauten Gebiet stellte die Stadtverwaltung Platz für ein Nachbarschaftshaus zur Verfügung, das sie mithilfe von internationalen Spenden erbauen ließ. Die etwa 300m2 fassende Halle war noch bis auf eine Tribüne unmöbliert, konnte aber schon die ersten Senioren-Treffen aufnehmen.

Ein weiteres international unterstütztes Vorhaben war der Bau einer Fußgängerbrücke aus Stahlbeton, die die Siedlung mit einer nahegelegenen Hauptstraße verband. Nur drei Jahre nach ihrer Einweihung zeigen die Fundamente erste Risse durch die Unterspülung von Regenwasser, das über den unbefestigten Zuweg fließt. Die Brücke wurde gut angenommen und war deshalb für politische Konkurrenten ein Dorn im Auge. Gertrude berichtet, dass schon zwei Mal versucht wurde die Brücke durch Gewalteinwirkung zum Einstürzen zu bringen. Eine einige Meter stromabwärts gelegene neuere und einfachere Brücke übergab sie deshalb in die Verantwortung der Anwohner, die seither darauf Acht geben.

Wie an anderen unbebauten Grundstücken konnte auch hier die Landnahme durch fremden Getreideanbau und illegale Mülldeponien beobachtet werden. Die Böschung neben den neuen Brücken wurde dafür genutzt, Müll in den Bach zu kippen oder dort zu verbrennen. Der giftige Staub, der beim Verbrennen von Plastik entsteht, beeinträchtigt Passanten und gelangen als Rückstände in das Gewässer. Zusammen mit der Stadtverwaltung möchte Gertrude auf dem Gelände als nächstes Projekt einen Stadtteilpark mit einer gut verwalteten Mülldeponie errichten, die das Nachbarschaftshaus als gemeinschaftliche Einrichtung ergänzen sollen.

Die nächsten Stationen waren drei alte Wohnhäuser, die durch das Unwetter beschädigt waren.  Gertrude ist Teil eines Gremiums aus Anwohnern, die Bedürftige und Benachteiligte in der Nachbarschaft bestimmen, die beim Bau oder der Renovierung ihrer Häuser unterstützt werden sollen.

Das erste Gebäude bestand aus Lehm, der ausgewaschen war, so das die Wände instabil wurden. Bewohnt wurde es von einem jungen Mann, der das Haus von seinen Eltern geerbt hatte, jedoch durch eine Krankheit erwerbsunfähig ist. Das Haus soll im Zuge der Unterstützung abgetragen und durch ein Gebäude mit Wänden aus gebrannten Ziegeln ersetzt werden.

Das zweite Anwesen wurde durch das Unwetter teilweise zerstört. Seither nutzt die Familie nur wenige Räume zu Wohnzwecken und wird deshalb für den Wiederaufbau unterstützt.

Das dritte Anwesen bestand aus einem Wohnhaus aus Holz-Lehm-Wänden und gehört einem älteren Mann. Seine einzige Einnahmequelle war die Vermietung seiner Räume an eine Privatschule. Er selbst lebt in einem kleinen Bereich, dessen eingefallene Wand durch Stofftücher ersetzt wurde. Trotz seiner prekären Lage half er dem Gemeinwohl bei Straßenbauarbeiten und war beim Treffen mit seinem Batterieradio (wailesi) bestens über das Weltgeschehen informiert.

Gertrude wünscht sich für ihre Amtszeit, dass traditionell gebaute Lehmhäuser durch große Ziegelhäuser ersetzt und die Straßen asphaltiert werden. Bis dahin muss noch einiges geschehen. Abschließend besuchten wir das Haus, in dem Gertrude aufwuchs und Ihre Mutter uns herzlich empfing.

BESUCH BEI ECOLODGY IN BLANTYRE-CHIGUMULA

FÜHRUNG DURCH DEN PERMAKULTURGARTEN UND DEN BAU EINER HERBERGE IN UMWELTSCHONENDER BAUWEISE AM STADTRAND VON BLANTYRE

Immer wieder werden Häuser und Ernten durch Stürme oder Überschwemmung in Malawi zerstört. Um dem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene Initiativen, die die aktuelle Bauweise und die extensive Landwirtschaft in Frage stellen und nach Alternativen suchen. Üblicherweise werden Gebäude in Malawi aus traditionell gebrannten Tonziegeln errichtet, doch diese Methode verbraucht sehr viel Brennholz und führt so auch zu den massiven Fällungen von Bäumen. Es sollen nachhaltige Vorbilder geschaffen werden, die das Bewusstsein schärfen und sich an Tradition und Kultur in Malawi orientieren und in die Praxis in Malawi umgesetzt werden können.  Nicht selten wird dabei auf altes bewährtes Wissen und traditionelle Techniken zurückgegriffen und mit modernen und aktuellen technischen und ökologischen Erkenntnissen ergänzt. Manchmal auch experimentiert, um übertragbare nachhaltige Lösungen zu finden.  

Ein besonderes Beispiel haben wir in Blantyre gefunden. Ein Lernort, der an das Energie- und Umweltzentrum in Eldagsen/Region Hannover erinnert.

EcoLODGy ist der Name einer im Entstehen befindlichen Eco-Lodge mit Permakultur-Landwirtschaft an der Stadtgrenze von Blantyre, in Richtung Thyolo. Gegründet wurde das Projekt von Martina Kunert, die sich nun seit mehr als 10 Jahren als freie Projektberaterin im Bereich Umweltschutz und Landwirtschaft in Malawi engagiert. Ein besonderes Anliegen ist für sie der Klimaschutz und der Einsatz regenerativer Energien. Seit Jahren tauschen wir uns mit ihr und anderen malawischen und internationalen Expert*Innen zu diesem Thema aus.

Das leicht geneigte Gelände liegt an einem Fluss mit dichter Vegetation und wird bereits als Permakulturgarten genutzt, während sich die Lodge-Gebäude noch im Aufbau befinden. Drei Ferienhäuser und ein Rundhaus werden in ökologischer Bauweise hergestellt. Daneben gibt es einen überdachten Bereich zur Lehmziegelherstellung, eine Bambuslagerstelle, eine Komposttoilette sowie ein Gewächshaus und Schuppen, die der Gartenbewirtschaftung dienen.

DIE GEBÄUDE, KONSTRUKTION UND MATERIAL

Die Baustelle der Lodge befindet sich im der Straße zugewandten Bereich. Entworfen wurden sie von einer französischstämmigen Architektin, die eine möglichst ressourcenschonende und natürliche Bauweise einsetzte. Die Grundstruktur der Gebäude besteht aus einem Stahlbetonskelett, Lehmzementblöcken, Naturstein sowie einem Dach aus Stahlträgern mit dickem Strohdach, das die Räume darunter kühl hält.

Zum Stand der Besichtigung wurden die großflächigen Fenster verglast, sowie naturbelassener Kalkputz in den Innenwänden aufgetragen. Eine Änderung ihrer Planungen mussten sie während der Bauphase vornehmen. Da die Lehm-Zementblock-Bauweise in Malawi neuartig ist, konnte die Tragfähigkeit vom beauftragten Ingenieurbüro nicht ohne weiteres nachgewiesen werden und wurde durch Stahlbetonstützen verstärkt. Das steigerte den unerwünschten Zementverbrauch, der sowohl teuer ist, als auch ressourcenintensiv hergestellt werden muss.

Das Rundhaus, dessen Volumen einem fast geschlossenen Kreis mit Hof ähnelt, erinnert mit dem pultartigen Strohdach eher an traditionelle malawische Architektur. Entgegen der Ferienhäuser sind hier nach der Fertigstellung zwei „Dorm“-Räume (Hostel) mit Sanitäranlagen und einem Gemeinschaftsraum geplant.

Nach der Fertigstellung werden die Räumlichkeiten zuerst als Rezeption und Seminarraum für Permakultur-Kurse dienen, die Teil des Konzepts von EcoLODGy sind.

Der Lehm für die Baustelle kam wie der verwendete Naturstein direkt vom Grundstück. Es gab mehrere Hügel mit Erden unterschiedlicher Farbe und eine ausgeklügelte Presse, mit der das Lehm-Zement-Gemisch mit viel Kraft in Form gepresst wurde. Für den Pressvorgang werden zwei Personen benötigt und er kann mit einem Dutzend variierender Formen ausgeführt werden, die von rechteckig über quadratisch mit Mulden bis rund für den Pfeilerbau reichen. Die in Malawi einmalige Presse wurde in Indien gefertigt und für dieses Projekt erworben.

VOM BIOMARKT UND VORBILD FÜR EINE ERNÄHRUNGSSOUVERÄNITÄT

Der Permakulturgarten schließt direkt an die Baustelle an und fällt leicht ab zum Flusslauf, der auch Grundstücksgrenze ist. Permakultur bedeutet, dass die landwirtschaftliche Fläche permanent, also über das ganze Jahr hinweg bewirtschaftet werden kann, ohne dabei chemische oder energieintensive Technik einsetzen zu müssen. In Malawi wird konventionell nur einmal pro Jahr nach den Regenfällen Getreide geerntet, während der Anbau von Obst und Gemüse mit händischer Bewässerung entlang Flussufern weiterbetrieben wird. Oft kommen importierte Hybridsaaten, industriell gefertigte Dünger sowie chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die teuer sind und Rückstände auf Erzeugnissen und im Erdreich hinterlassen, die  Gesundheit und Biodiversität schaden.

Der Permakulturgarten von EcoLODGy verzichtet auf diese Mittel und produziert eine Vielzahl an Gemüse-, Obst- und Kräutersorten, sowie Saatgut selbst. Für genügend Düngung sorgen Grünabfall, Mist und abgeschnittene Gräser von dem Grundstück, die zusätzlich die Erde vor Trockenheit und Unkraut schützen. Junge Pflanzen wurden durch ein eingeknicktes Sisalblatt geschützt, das auch bei Regen und Hitze seine Form behält. Als Herbizid dient eine Reihe an „Companion Plants“, also Pflanzen, die als Begleiter des eigentlichen Anbaus dienen, aber unattraktiv für Insekten sein sollen. Darunter zählen Pflanzen mit abwehrenden Gerüchen oder intensiven Farben wie Knoblauch, Zitronengras und Kap-Margeriten. Rings um den Pflanzenbeeten sind Wasserkanäle geführt, die bei Regenfall von einem höherliegenden Becken gespeist werden. Eine weitere Komponente des Permakultur-Konzeptes ist der Einsatz von Sträuchern und Bäumen, die sich über die Anbaufläche verteilen und den Pflanzen Schatten spenden, sowie Regenwasser speichern. Die richtige Kombination von Pflanzensorten und Baumsorten, die sich gegenseitig beim Wachstum unterstützen, musste vor der Pflanzung ausgewählt werden.

Für die Produktion von frischem und nährstoffreichem Humus durch Kompostierung wurde ein Bereich am Grundstücksrand gewählt. Hier werden welke Blätter, Grünabfall und Essensreste zu einem quadratischen Haufen übereinandergeschichtet und mit einer Strohhaube abgedeckt. Der Kompostierungsprozess geschieht bei bis zu 70°C im Inneren des Haufens und ist nach wenigen Wochen fertig, wonach der Humus eingesetzt werden kann.

Mit dem Betrieb der Lodge mit einem Restaurant würde die Qualität des Komposts durch den höheren Küchenabfall-Anteil weiter steigen. Begrenzt wird der Kompostplatz durch zwei Komposttoiletten, bei denen anstatt Wasser mit Sägespänen und Laub nachgespült wird. Das fördert die Kompostierung und verhindert eine unangenehme Geruchsbildung. Jedes Toilettenhäuschen hat zwei Grubenkammern, von denen jeweils eine genutzt und die andere für den Kompostierungsprozess verschlossen wird. Komposttoiletten sparen vor allem Wasser und verzichten auf Abwasser-Infrastruktur, die selbst in urbanen Gegenden Malawis kaum vorhanden ist. Die oft eingesetzten Faulgruben werden nach einigen Jahren mechanisch geleert oder sickern unkontrolliert in das Erdreich und Flüsse, die nicht selten als Frischwasserquelle in ärmeren Siedlungen genutzt werden. Der Humus, der aus der Komposttoiletten-Nutzung entsteht, wird nicht für Nutzpflanzen, sondern nur als Dünger für Zier- und Schattenbäume verwendet. Zum einen kann der Humus bakterielle oder medizinische Rückstände enthalten, die nichts in Obst und Gemüse zu suchen haben. Zum anderen gibt es gegen diese Art von Dünger kulturelle Vorbehalte. Permakultur ist neben der Nutzung eines biologischen Kreislaufes mit intelligent angeordneten Pflanzen vor allem eine vielfältige Anbaukultur. Im Garten von EcoLODGy fanden sich Getreidearten wie Chia, Hirse und Roggen, die in Malawi Exoten sind. Auch schwarze Paprikas und Rosenkohl sind neu und beweisen, dass das Klima und nährstoffreicher Humus vielfältige Pflanzensorten gedeihen lassen.

Bereits jetzt ist das Team um Martina Kunert mit anderen Permakulturprojekten vernetzt und möchte die nachhaltige Bewirtschaftungsmethode sowohl malawischen Bäuer*innen und Gärtner*innen, als auch interessierten Tourist*innen näherbringen.

EcoLODGy vertreibt die biologischen Lebensmittel auch über eine lokale Facebook-Gruppe. Die sogenannten „Farm Fresh Baskets“ werden einige Male pro Woche im Hof des historischen Mandala-Hauses übergeben. Die Vorbestellungen helfen dabei das Gemüse frisch und nach Bedarf zu ernten, um die Qualität zu sichern und Verschwendung vorzubeugen. Für Bio-Lebensmittel gibt es bisher nur eine kleine Gruppe an Abnehmer, deshalb ist in Supermärkten und Markthallen meistens nur konventionelles Obst und Gemüse zu finden. Wenn der Permakulturgarten von EcoLODGy einige Zeit besteht, soll die daraus gewonnene Biodiversität für eine Bienenzucht genutzt werden. Die Vielfalt im Permakulturgarten wurde nicht nur durch die verschiedenen Pflanzen, sondern auch durch ihre Anbauweise deutlich.

Affen sind für viele Farmer in Malawi keine Zoo-Lieblinge, sondern Diebe, die oft genug auf Raubzug in Gärten eindringen. Menschengroße „Affenscheuchen“ mit Hut und Kleiderfetzen helfen die Tiere bei EcoLODGy fern zu halten. Einzelne Pflanzen wurden zusätzlich mit Insektennetzen überspannt oder mit einem Mini-Gewächshaus aus halbierten Plastikflaschen ummantelt.

Eine wassersparende Bewässerungsmethode aus vergrabenen Tongefäßen in rundlichen Pflanzenbeeten wurde bereits mit Erfolg gegen konventionelle Methoden getestet. Das Wasser wird über die poröse Tonschale langsam an das Erdreich abgegeben und muss nur ein Mal pro Woche nachgefüllt werden. Bisher werden Pflanzenbeete in Malawi hauptsächlich mit herkömmlichen Gießkannen morgens und abends bewässert. Zuletzt förderte die malawische Regierung Bewässerungssysteme mit Dämmen und Kanälen, um Agrarflächen effizienter bewirtschaften zu können. Neben dem Permakultur-Garten und der Baustelle befindet sich auf dem Grundstück auch ein Gerüst, an dem Bambusstämme lagerten. Sie sollen einmal als Konstruktionsmaterial für weitere Gebäude auf dem Grundstück dienen. Die spezielle Sorte ist zum Bau geeignet und wird vor der Anwendung einige Tage lang in eine Wasserlösung eingetaucht, um das Holz gegen Termitenbefall zu schützen. Das lange Becken dazu wurde erst kürzlich fertiggestellt. Als nächstes Projekt nach der Fertigstellung der Lodge soll ein Wintergarten-Restaurant auf einer Anhöhe gebaut werden, das den Garten und den dichten Wald am Bach überblickt. Bis der Lodgebetrieb richtig anläuft, sollen hier einmal Bio-Speisen aus eigenem Anbau und später auch Seminare angeboten werden und als zusätzliche Einnahmequelle dienen.

BESUCH BEI ACTION FOR ENVIRONMENTAL FOR SUSTAINABILITY (AFES)

Präsentation einer malawischen Umweltorganisation in Blantyre

AFES Malawi wurde 2007 gegründet und ist eine in Malawi registrierte non-governemntalorganisation (NGO). Sie ist hauptsächlich in ländlichen Gebieten aktiv und behandelt als Schwerpunktthemen Armutsbewältigung und Umweltschutz. Der Hauptsitz befindet sich in Blantyre-Khamesa, am Rande der Stadt. Wir wurden von Daniel und seinen zwei Kollegen begrüßt, die eine Power-Point-Präsentation vorbereitet hatten, die Grundlage eines informativen Austausches wurde.

Unter die Arbeitsbereiche fallen grundsätzlich die Anpassung an den Klimawandel, Hygiene, Einkommensgenerierung und das Management von natürlichen Ressourcen als auch Biodiversität. Das Team besteht aus vier Mitgliedern, neun weiteren Angestellten und sechs wechselnden internationalen Freiwilligen. Wichtige Partner sind die US-amerikanische Botschaft, der Global Nature Fund und die Ingeneure ohne Grenzen der California University.

AFES arbeitet in aktuellen Projekten mit Kaffeebauern und an indigenen Waldbeständen in Chitipa (Nordmalawi), sowie einem Gewächshausprojekt in Makanjira (Ostmalawi). Der Schwerpunkt von Projekten im Umland Blantyres lag bei solarbetriebenen Pumpen zur Feldbewässerung sowie bei der Vermarktung von conservation agriculture durch widerstandsfähiges Saatgut. Dazu erwähnte Daniel, dass die Landesregierung eigene Saatgutproduktion für Gemüse- und Maisarten gezielt fördert. Für die Verbreitung neuer Anbautechniken und Saatgut gibt es in Malawi ein Lead Farmer System, bei dem ein Champion Farmer das Wissen oder die neuen Materialien an Andere weitergibt.

Die NGO erstellt zusammen mit den Akteuren vor Ort zudem Klimaanpassungspläne, die etwa vorschreiben, welche indigenen Baumarten gut geeignet sind, um an Flussläufen gepflanzt zu werden. Hilfreich sind dabei bereits geschaffene Gemeindesatzungen, die etwa das Fällen von Bäumen reguliert.

Projekte bei AFES durchlaufen einen Prozess, der alle Akteure, wie Partner, Zielgemeinden, die Regierung und andere Organisationen mit einbezieht. Die Partner, die auch Finanzierungsquelle sind, kommen auf Mitglieder der Organisation zu und formulieren ihr Vorhaben für einem bestimmten Ort. Danach geht AFES auf die Akteure vor Ort zu und bewertet die Situation und deren Notlage. Da sich die Mehrzahl der Projekte im Bereich Forst und Landwirtschaft bewegen, konsultiertdas Team daraufhin die Landesregierung, die ihre Mitarbeiter vor Ort zur Unterstützung mobilisieren. Anschließend wird von der Zielgruppe zusammen mit AFES ein Projektplan erstellt, der danach als Kooperationsvertrag verabschiedet und dann von der Zielgruppe umgesetzt wird.

Viele der Ratschläge für effiziente und klimaresistente Anbaumethoden wurden in das Buch „Guide for Agricultural Production“, der „malawischen Bibel“ für Landwirte, übernommen. Das Buch wird in seiner aktualisierten Fassung vom Landwirtschaftsministerium herausgegeben.

Zur Sicherung von ausreichend Nahrung sind nicht nur die Anbaumethoden, sondern auch die Essensgewohnheiten von Bedeutung. Fast vergessene indigenen Gemüsesorten, die resistenter gegen Wettereinflüsse und dabei noch gesund sind, feiern ein Comeback in regionalen Kochshows. Auch hierfür bietet die Nahrungsabteilung des Ministeriums Bücher an, die auch von AFES verbreitet werden. Zu den Sorten zählen etwa traditionelle Süßkartoffeln mit gelbem Fleisch oder zahlreiches Blattgemüse.

Die Lebensmittelzubereitung geschieht in ländlichen Gebieten Malawis fast ausschließlich über dem Feuer. Die Feuerholzgewinnung reduziert bei steigender Einwohnerzahl die Waldbestände des Landes. Als Lösungsansatz propagieren Umweltorganisationen zusammen mit AFES ein holzsparendes Feuergefäß aus Ton, das lokal produziert werden kann. Der Chizetezo Mbaula genannte „Energiesparherd“ ist händisch versetzbar und hat eine geschlossene Feuerkammer, der die Hitze nicht entweichen lässt. Das Team trainiert Frauengruppen für die Produktion und die Vermarktung dieser Gefäße, da in Malawi traditionell Frauen Töpferarbeiten vornehmen. Um ganz auf das Feuerholz verzichten zu können, werden auch Schulungen zur Brikett-herstellung angeboten, die unter starkem Pressen aus Sägemehl, Papiermüll und Getreidekleie entstehen. Die notwendige Metallpresse kann kostengünstig von örtlichen Schweißern gebaut werden.

2014 startete AFES in Kooperation mit der Mzuzu University ein außergewöhnliches Projekt zur Biogasherstellung. Das Forschungsvorhaben untersuchte die Möglichkeiten der Biogastechnik unter den örtlichen Voraussetzungen selbstgebauter Anlagen. Die Tests haben gezeigt, dass für eine lukrative Herstellung von Biogas nicht kleine Höfe, sondern vor allem große Geflügel- oder Rinderfarmen in Frage kommen, die ausreichend Biomaterial generieren können.

Neben der Lebensmittelsicherung konzentriert sich die Organisation auch auf die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser und Bewässerungssystemen, die Krankheiten und Dürre vorbeugen. Konkret dazu zählt die Förderung für Bohrwasserpumpen und Wasserfilter sowie ein Training für dessen Instandhaltung.

Zudem werden Trainings für die Verbesserung und Reparatur von Latrinen angeboten.

In kleinen Gemeinden unterstützt AFES sogenannte Dorf-Sparkassen, bei denen sich Bewohner kleine Beträge mit wenig Zinsen leihen können. Für die ländliche Bevölkerung gibt es eine Reihe von Mikrofinanzinstitute mit gleichem Ziel. Leider stehen sie aber nicht flächendeckend zur Verfügung. Reguläre Banken leihen meist nur große Beträge mit sehr hohen Zinsen, die auch für mittelständische Unternehmer schwer zu finanzieren sind.

Der Geschäftsführer Daniel Mwakameka (AfES) stellte uns zusätzlich ein Permakultur-Projekt vor, das gemeinsam mit Frauen in Makanjira entwickelt und umgesetzt wurde. Die dort angewandten Methoden zielen darauf ab, die langfristige Bodenfruchtbarkeit zu erhöhen, die Insekten- und Organismenpopulationen auszugleichen und die Luft-, Boden- und Wasserverschmutzung zu reduzieren. Gleichzeitig soll das Produktionsniveau beibehalten bzw. erhöht wird. Mit diesem Projekt will AfES „das Wohlergehen aller Beteiligten fördern und die gesellschaftliche und individuelle Verantwortung für die Umwelt und damit die Nachhaltigkeit fördern“.

Als wir erfahren haben, dass die NGO Action for Environmental Sustainability (AfES) auch in Makanjira aktiv ist, sind wir kurzfristig den darauffolgenden Tag nach Makanjira gefahren, um uns das Projekt vor Ort anzusehen. Die Frauen waren auf unseren Besuch nicht vorbereitet. Schüchtern und zurückhaltend stellten sie – nicht ohne Stolz – ihr Projekt vor.

PROJEKT: WASSERVERORGUNG UND SCHULGARTERNARBEIT AN DER MPILIPILI-GRUNDSCHULE IN MAKANJIRA, MALAWI

Die Mpilipili-Grundschule befindet sich – drei km von dem Frauen-projekt entfernt – in einer abgelegenen ländlichen Gemeinde im Südosten des Landes am Ufer des Malawisees und an der Grenze zu Mozambique. In den letzten Jahren hat der wirtschaftliche Druck die Kleinbauern in der Umgebung des Schulgeländes dazu veranlasst, unangemessene landwirtschaftliche Methoden zur Sicherung des Lebensunterhalts anzuwenden. Diese nicht nachhaltigen Strategien und die Folgen des Klimawandels führten zu Überschwemmungen oder Dürre und damit zu immer größerer Hungersnot.

Karte vergrößern MalawiBeeindruckt von einem gut funktionierenden Projekt, haben wir gemeinsam mit den Frauen, dem Schuldirektor, dem Vertreter der NGO Action for Environmental Sustainability (AfES) und dem Koordinator die ersten Ideen für einen Projektantrag an die BINGO Umweltstiftung besprochen. Er baut auf dem Vorhandenem auf, erzeugt Synergieeffekte und erhöht die Motivation der Beteiligten.

NÄCHSTE SCHRITTE AUF GRUNDLAGE DER ERFAHRUNGEN

Die Reise hat uns eine ganze Reihe von kompetenten Multiplikatoren und lokalen Projektträgern aus unterschiedlichen Fachrichtungen näher gebracht. Mit ihrer Hilfe wird es zukünftig einfacher und effizienter werden nachhaltig wirkende Projekte für eine bessere Zukunft in Malawi aus Hannover voran zu bringen.

KOMPETENTE UND VERLÄSSLICHE PARTNER VOR ORT

Für die Umsetzung resilienter Projekte und Maßnahmen zur Reduzierung klimabedingter Schäden brauchen wir verlässliche Partner*innen. Sie müssen für Transparenz der Ausgaben und Aktivitäten stehen und für eine zielgruppenorientierte und nachhaltige Umsetzung des Projektes sorgen.

Wir sind froh, mit Action for Environmental Sustainability (AfES) einen kompetenten Partner gefunden zu haben. Action for Environmental Sustainability (AfES) setzt sich entsprechend den Zielen der globalen Nachhaltigkeit (SDGs) für den ökologischen Landbau und für eine Ernährungssouveränität ein. AfES wurde im Februar 2007 gegründet, um Armut und Umweltzerstörung in den Gemeinden Malawis zu bekämpfen.

Wie dargestellt wurde wurde vom FKM in Kooperation bereits mit AFES ein umfassendes Entwicklungsprojekt an der Mpilimpilischule konzipiert. Eine dringend benötigte leistungsfähige solarbetriebene Grundwasserpumpe mit Wasserspeicher soll nicht nur die prekäre Trinkwassserversorgung der über 2000 Schüler *innen verbessern, sondern mit angeschlossenem großen Gewächshaustunnel den Schüler*innen und Lehrer*innen im Unterricht Gemüseanbau in Permakultur näher bringen und die regionale Essensversorgung stabilisieren.

Dabei unterstützt uns auch Juma Wassili, Koordinator des FK Malawi e.V. Er ist für uns in Malawi ein weiterer vertrauensvoller und verlässlicher Partner vor Ort. Er studiert Soziale Arbeit und engagiert sich für Menschen mit Behinderungen in wirtschaftlicher, sozialer und physischer Hinsicht.  Er ist in Makanjira geboren, vernetzt und wird trotz seines jungen Alters sehr geschätzt. Durch ihn haben wir gelernt, dass die Menschen in Makanjira Zeit brauchen bis sie Zusammenhänge verstehen und ihr Handeln überdenken und ändern. Die meisten haben einen sehr niedrigen Bildungs- und Wissenstand „poor education backgrounds“, wie Juma Wassili sagt. Er setzt sich stark dafür ein, das von den Menschen in Malawi Verantwortung übernommen wird. 

Als weiteren ersten Schritt gab es bereits eine vom FKM geförderte Beteiligung von zwei jungen Interessierten aus Chingalire an einem innovativen Lehmbauworkshop in der Ecolodgy. Chief Ben Mkamba ließ mit diesem neu gewonnenen Know How bereits erste ressourcenschonende Modellbauten in seinem Dorf errichten. Damit wurde für die ganze Region das Thema innovativer Lehmbau zum Thema und neues Interesse daran auch in anderen Gemeinden geweckt.

Mitglieder der Frauengruppe, Schulleiter Joking Singini, Daniel Mwakameka (AfES), Silvia Hesse und Juma Wassili, (Freundeskreis Malawi und Städtepartnerschaft Hannover-Blantyre e.V.). Foto: Ralf Waselowsky, Hannover