Vom Biomarkt und Vorbild für eine Ernährungssouvernität

Silvia Hesse Allgemein

Der Permakulturgarten schließt direkt an die Baustelle an und fällt leicht ab zum Flusslauf, der auch Grundstücksgrenze ist. Permakultur bedeutet, dass die landwirtschaftliche Fläche permanent, also über das ganze Jahr hinweg bewirtschaftet werden kann, ohne dabei chemische oder energieintensive Technik einsetzen zu müssen. In Malawi wird konventionell nur einmal pro Jahr nach den Regenfällen Getreide geerntet, während der Anbau von Obst und Gemüse mit händischer Bewässerung entlang Flussufern weiterbetrieben wird. Oft kommen importierte Hybridsaaten, industriell gefertigte Dünger sowie chemische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die teuer sind und Rückstände auf Erzeugnissen und im Erdreich hinterlassen, die  Gesundheit und Biodiversität schaden.

Der Permakulturgarten von EcoLODGy verzichtet auf diese Mittel und produziert eine Vielzahl an Gemüse-, Obst- und Kräutersorten, sowie Saatgut selbst. Für genügend Düngung sorgen Grünabfall, Mist und abgeschnittene Gräser von dem Grundstück, die zusätzlich die Erde vor Trockenheit und Unkraut schützen. Junge Pflanzen wurden durch ein eingeknicktes Sisalblatt geschützt, das auch bei Regen und Hitze seine Form behält. Als Herbizid dient eine Reihe an „Companion Plants“, also Pflanzen, die als Begleiter des eigentlichen Anbaus dienen, aber unattraktiv für Insekten sein sollen. Darunter zählen Pflanzen mit abwehrenden Gerüchen oder intensiven Farben wie Knoblauch, Zitronengras und Kap-Margeriten. Rings um den Pflanzenbeeten sind Wasserkanäle geführt, die bei Regenfall von einem höherliegenden Becken gespeist werden. Eine weitere Komponente des Permakultur-Konzeptes ist der Einsatz von Sträuchern und Bäumen, die sich über die Anbaufläche verteilen und den Pflanzen Schatten spenden, sowie Regenwasser speichern. Die richtige Kombination von Pflanzensorten und Baumsorten, die sich gegenseitig beim Wachstum unterstützen, musste vor der Pflanzung ausgewählt werden.

Für die Produktion von frischem und nährstoffreichem Humus durch Kompostierung wurde ein Bereich am Grundstücksrand gewählt. Hier werden welke Blätter, Grünabfall und Essensreste zu einem quadratischen Haufen übereinandergeschichtet und mit einer Strohhaube abgedeckt. Der Kompostierungsprozess geschieht bei bis zu 70°C im Inneren des Haufens und ist nach wenigen Wochen fertig, wonach der Humus eingesetzt werden kann.

Mit dem Betrieb der Lodge mit einem Restaurant würde die Qualität des Komposts durch den höheren Küchenabfall-Anteil weiter steigen. Begrenzt wird der Kompostplatz durch zwei Komposttoiletten, bei denen anstatt Wasser mit Sägespänen und Laub nachgespült wird. Das fördert die Kompostierung und verhindert eine unangenehme Geruchsbildung. Jedes Toilettenhäuschen hat zwei Grubenkammern, von denen jeweils eine genutzt und die andere für den Kompostierungsprozess verschlossen wird. Komposttoiletten sparen vor allem Wasser und verzichten auf Abwasser-Infrastruktur, die selbst in urbanen Gegenden Malawis kaum vorhanden ist. Die oft eingesetzten Faulgruben werden nach einigen Jahren mechanisch geleert oder sickern unkontrolliert in das Erdreich und Flüsse, die nicht selten als Frischwasserquelle in ärmeren Siedlungen genutzt werden. Der Humus, der aus der Komposttoiletten-Nutzung entsteht, wird nicht für Nutzpflanzen, sondern nur als Dünger für Zier- und Schattenbäume verwendet. Zum einen kann der Humus bakterielle oder medizinische Rückstände enthalten, die nichts in Obst und Gemüse zu suchen haben. Zum anderen gibt es gegen diese Art von Dünger kulturelle Vorbehalte. Permakultur ist neben der Nutzung eines biologischen Kreislaufes mit intelligent angeordneten Pflanzen vor allem eine vielfältige Anbaukultur. Im Garten von EcoLODGy fanden sich Getreidearten wie Chia, Hirse und Roggen, die in Malawi Exoten sind. Auch schwarze Paprikas und Rosenkohl sind neu und beweisen, dass das Klima und nährstoffreicher Humus vielfältige Pflanzensorten gedeihen lassen.

Bereits jetzt ist das Team um Martina Kunert mit anderen Permakulturprojekten vernetzt und möchte die nachhaltige Bewirtschaftungsmethode sowohl malawischen Bäuerinnen und Gärtnerinnen, als auch interessierten Tourist*innen näherbringen.
EcoLODGy vertreibt die biologischen Lebensmittel auch über eine lokale Facebook-Gruppe. Die sogenannten „Farm Fresh Baskets“ werden einige Male pro Woche im Hof des historischen Mandala-Hauses übergeben. Die Vorbestellungen helfen dabei das Gemüse frisch und nach Bedarf zu ernten, um die Qualität zu sichern und Verschwendung vorzubeugen. Für Bio-Lebensmittel gibt es bisher nur eine kleine Gruppe an Abnehmer, deshalb ist in Supermärkten und Markthallen meistens nur konventionelles Obst und Gemüse zu finden. Wenn der Permakulturgarten von EcoLODGy einige Zeit besteht, soll die daraus gewonnene Biodiversität für eine Bienenzucht genutzt werden. Die Vielfalt im Permakulturgarten wurde nicht nur durch die verschiedenen Pflanzen, sondern auch durch ihre Anbauweise deutlich.
Affen sind für viele Farmer in Malawi keine Zoo-Lieblinge, sondern Diebe, die oft genug auf Raubzug in Gärten eindringen. Menschengroße „Affenscheuchen“ mit Hut und Kleiderfetzen helfen die Tiere bei EcoLODGy fern zu halten. Einzelne Pflanzen wurden zusätzlich mit Insektennetzen überspannt oder mit einem Mini-Gewächshaus aus halbierten Plastikflaschen ummantelt.

Eine wassersparende Bewässerungsmethode aus vergrabenen Tongefäßen in rundlichen Pflanzenbeeten wurde bereits mit Erfolg gegen konventionelle Methoden getestet. Das Wasser wird über die poröse Tonschale langsam an das Erdreich abgegeben und muss nur ein Mal pro Woche nachgefüllt werden. Bisher werden Pflanzenbeete in Malawi hauptsächlich mit herkömmlichen Gießkannen morgens und abends bewässert. Zuletzt förderte die malawische Regierung Bewässerungssysteme mit Dämmen und Kanälen, um Agrarflächen effizienter bewirtschaften zu können. Neben dem Permakultur-Garten und der Baustelle befindet sich auf dem Grundstück auch ein Gerüst, an dem Bambusstämme lagerten. Sie sollen einmal als Konstruktionsmaterial für weitere Gebäude auf dem Grundstück dienen. Die spezielle Sorte ist zum Bau geeignet und wird vor der Anwendung einige Tage lang in eine Wasserlösung eingetaucht, um das Holz gegen Termitenbefall zu schützen. Das lange Becken dazu wurde erst kürzlich fertiggestellt. Als nächstes Projekt nach der Fertigstellung der Lodge soll ein Wintergarten-Restaurant auf einer Anhöhe gebaut werden, das den Garten und den dichten Wald am Bach überblickt. Bis der Lodgebetrieb richtig anläuft, sollen hier einmal Bio-Speisen aus eigenem Anbau und später auch Seminare angeboten werden und als zusätzliche Einnahmequelle dienen.