CHINGALIRE – mehr als ein kleines Dorf

 

Chingalire ist ein kleines Dorf. Es liegt etwa 60 Kilometer von Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi entfernt. Um dorthin zu kommen, brauchen wir mehr als eine Stunde mit dem Auto. Die Straße ist nicht ausgebaut, holprig und sehr staubig, mit vielen Schlaglöchern, die durch die Regenzeiten immer wieder entstehen. Obwohl die PolitikerInnen im Wahlkampf versprechen, sich dieser Straßen anzunehmen, ist bisher nichts passiert, beklagt Ben Michael Mankhamba, Chief of Chingalire.


Projekte


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Während seines Aufenthaltes in Hannover 2011 besuchte der Chief of Chingalire, Ben Michael Mankhamba, Umweltorganisationen, die IGS List, die Goetheschule, die Glocksee- Schule und die Grundschule Suthwiesenstrasse, um über Malawi und die Millenniumsentwicklungsziele zu sprechen. Er weiß wie wichtig Bäume für Malawi sind und hat bereits eine kleine Baumschule in seinem Dorf in der Nähe der Hauptstadt Lilongwe eingerichtet. Im September 2015 traf ich mich mit Ben Michael Mankhamba und Joseph Kenson Sakala in Lilongwe, um uns über Aktivitäten zum Klimaschutz und nachhaltiger Landwirtschaft auszutauschen.

Dabei haben wir erfahren, dass Joseph auch Koordinator des Jugendprojektes „plant for the planet“ für Malawi ist. Durch das UN-Jugend Umweltprogramm“ plant for the planet“ lernen junge Menschen umweltbewusstes Verhalten, erfahren Wichtiges über den Klimawandel und leisten ihren Beitrag zum Klimaschutz durch Anpflanzen von Bäumen in ihren Schulen und ihrem Umfeld. Damit noch mehr Schulen und Kommunen an diesem Umwelttraining teilnehmen können, brauchen wir Unterstützung zum Kauf von weiterem Trainingsmaterial und Baumsetzlingen. Wir verabredeten uns mit Joseph Kenson Sakala in Bens Dorf, wo er sich die Bodenbeschaffenheit in Chingalire ansah und später auch Proben nahm. Da Ben bereits etliche Setzlinge angepflanzt, wurde auch anvisiert, Anfang Januar einen Workshop zum Thema Klimaschutz durchzuführen. Schülerinnen und Schüler sollten zu „Klimabotschaftern“ qualifiziert werden, um ihr Wissen später an andere weiterzugeben. In Chingalire fand der erste mehrtägige Workshop zum Klimawandel und Klimaschutz im Januar 2015 statt.

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Der Chief von Chingalire Ben Michael Mankhamba, der Umweltexperte Joseph und sein Team motivieren und informieren die Schülerinnen und Schüler, die zum Teil auch aus anderen Dörfern kamen und zu Botschaftern für das UN-Jugendumweltprojekt werden wollen. Da auch Schülerinnen und Schüler aus anderen Dörfern kamen, wurde für sie gekocht und Übernachtungsmöglichkeiten bereitgestellt. Unterstützung bekamen sie von dem Kooperationsverein aware & fair e.V. während des gemeinsamen Essens spielte Ben Michael Mankhamba, der nicht nur Chief in Chingalire ist, sondern auch ein bekannter und beliebter Musiker in Malawi ist, Gitarre für sie .  Nach der Theorie folgte die Pflanzaktion.

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Ben Michael Mankhamba, Chief of Chingalire und seine Mutter wollen gemeinsam dafür sorgen, dass die Situation für die Frauen und Mädchen verbessert wird. Er will in seinem Dorf damit beginnen und gute Beispiele in andere Dörfer und möglicherweise auch Regionen übertragen. Über die Spende von Violetta anlässlich des 25-jährigen Jubiläums haben sich Ben und seine Mutter sehr gefreut, insbesondere, als ich ihnen die Ziele und Aufgaben der Fachberatungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen in Hannover „Violetta“ vorgestellt habe.

Wir sprachen darüber, wie das Geld sinnvoll eingesetzt werden kann. Die Mutter sagte: „Bei uns lebt seit vier Monaten eine Frau mit ihren Kindern, die aus einem anderen Dorf gekommen sind. Sie wurde von ihrem Mann misshandelt. Wir haben eine Frauengruppe und fühlen uns als eine Gemeinde, die Frauen mit solchen Problemen und Erfahrungen aufnimmt, aber so eine Arbeit, wie sie von Violetta geleistet wird, haben wir nicht.“ Wir sprachen weiter über die Situation der Frauen auf dem Land, über ihre Probleme und ihre Sorgen. Sie arbeiten hart, sehr hart. Um Essen für die Familie zu kochen, brauchen sie nicht nur Wasser, für das sie weit laufen müssen, sondern auch viel Feuerholz, das immer weniger wird. Schätzungsweise 70 Prozent der Waldfläche hat Malawi in den vergangenen Jahrzehnten verloren. Jedes Jahr kann ich die Folgen dieser Abholzung von alten Bäumen erkennen, für die es viele Generationen bräuchte, um wieder nachzuwachsen. Immer wieder wird Holzkohle verwendet, doch dies ist lange schon verboten.

Bens Mutter erklärte, dass auch die traditionelle offene Drei-Steine-Feuerstelle nicht nur enorm viel Feuerholz verbraucht, sondern dass der Ruß in den Küchen auch für Millionen von Todesfällen mitverantwortlich ist, die jedes Jahr durch Atemwegserkrankungen ausgelöst werden. Vor allem Frauen und Kinder sind betroffen.

 

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Wir verabredeten, dass wir den Frauen im Dorf jeweils einen effizienten Kocher überreichen wollen, der eigens für den ländlichen Raum ohne die für uns selbstverständliche technische Infrastruktur entwickelt wurde. Als ein Geschenk von Violetta und all den Menschen, die gespendet haben.

Ich hatte Bens Mutter bereits so einen Kocher als Gastgeschenk mitgebracht, da es mir so wichtig war, etwas für ihre Gesundheit und zum Erhalt der Wälder und Bäume zu tun. Sie war begeistert von ihren ersten Erfahrungen. Diese tragbaren kleinen effizienten Keramiköfen ermöglichen eine Feuerholzeinsparung von bis zu 50 Prozent, verkürzen die Zeit des Feuerholzsammelns und vermeiden Rauchemissionen in den Küchen.

 

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Ich fuhr mit Ben Michael Mankhamba und Heino Thomsen, der mich begleitete, in die Stadt und wir kauften 17 Kocher – mehr gab es nicht mehr. Bens Mutter schlug vor, dass wir die Frauen sonntagmorgens um 7 Uhr, bevor sie in die Kirche gehen, einladen und ihnen die Öfen überreichen. Die Frauen waren so aufgeregt, dass sie schon viel eher kamen als verabredet. Sie tanzten und sangen. Bens Mutter zog mir noch schnell einen für die malawischen Frauen typischen Rock an, bevor wir zu den Frauen gehen. Sie erklärte, das zeigt den Frauen mehr Wertschätzung, wenn ich mich in dieser Form traditionell kleide. Nach der Begrüßung saßen wir gemeinsam auf der Erde und ich berichtete von Violetta, von den Erfahrungen, die Violetta gemacht hat und davon, wie vielen misshandelten und missbrauchten Mädchen und jungen Frauen durch Violetta geholfen werden konnte. Anlässlich ihres 25-jährigen Bestehens haben sie Spenden für Malawi gesammelt. Der effiziente Kocher sollte ein kleines Geschenk sein, um auch die tägliche Arbeit Frauen und Mädchen zu erleichtern.

Die Frauen hörten intensiv zu und freuten sich, dass sich Violetta für sie eingesetzt hat. Sie wissen es zu schätzen, sagten sie, und sie möchten jemanden von Violetta treffen, um mehr von der Arbeit zu erfahren und zu lernen. Sie bedankten sich, und ich versprach, dass ich alles weitererzählen werde.

 

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Bens Mutter und ich überreichten die kleinen Kocher. Ich sah ihre Gesichter und spürte ihre Hände, die gezeichnet sind, von harter Arbeit und unter so harten Bedingungen ihr Leben meistern müssen.

Eindrucksvoll, farbenfroh und singend gehen diese Frauen ihren Weg.
Ein erster Schritt ist getan – es liegt nun an uns allen den nächsten zu gehen.

Großen Dank an Violetta und an alle, die gespendet haben.